Lobbying: Deutliche Abgrenzung zum Dealmaking – Geldvermittlung nicht üblich

Wien, 9. August 2013. Für ein Gutachten im Zusammenhang mit dem Telekom-Prozess wurde auch die ÖPAV (Österreichische Public Affairs-Vereinigung) als Standesvertretung der Public Affairs-Tätigen gebeten, Fragen bezüglich der Berufspraxis von Lobbyisten zu beantworten. Die Grundaussage ist klar: Lobbying ist nicht gleich Dealmaking und Erfolgshonorare sind bei seriösen Interessensvermittlern nicht üblich. Auch eine transparente Leistungsdokumentation gehört beim Berufsverständnis der ÖPAV von professionellen Lobbyisten zum Standard.

Die Fragen und Antworten der österreichischen Public Affairs-Vereinigung im Wortlaut:
Frage 1: Ist es branchenüblich bzw. kommt es häufig vor, dass Zahlungen, welche Unternehmen nicht über die eigene Buchhaltung an politische Parteien, diesen nahe stehenden Organisationen oder an mit politischen Mandaten versehenen Personen leiten wollen, über PR-Agenturen bzw. Lobbying- Agenturen an die Empfänger weitergeleitet werden?
Nein, das ist keineswegs branchenüblich. Lobbying-Agenturen verstehen sich als Informationsvermittler und Interessenvertreter, nicht als Übermittler von Geld.

Frage 2: In welchem Ausmaß und in welcher Form werden Tätigkeiten im Lobbyingbereich dokumentiert und wie erfolgt üblicherweise eine Leistungsdokumentation gegenüber dem Kunden? Inwieweit sind solche Leistungsdokumentationen Ihrer Erfahrung nach kundenseitig erwünscht respektive sogar explizit als Voraussetzung für die Bezahlung von Honorarentgelten verlangt?
Professionelles Projektmanagement umfasst Vorschläge für Maßnahmen (Tätigkeiten), die Durchführung und die Dokumentation. Diese Dokumentation erfolgt üblicherweise in Form einer monatlichen Leistungsabrechnung, die darstellt, wie viele Stunden für welche Tätigkeiten zu welchem Stundensatz gearbeitet wurden. Im Fall von pauschalierten Honoraren sind Projektdokumentationen üblich, die Leistungen über den Zeitverlauf des Projekts und/oder der gesamten Zusammenarbeit darstellen. Seriöse Lobbying-Agenturen erstellen diese Leistungsdokumentation von sich aus. Im überwiegenden Teil der Fälle sind sie von den Auftraggebern auch explizit erwünscht. Im Fall der stundenweisen Abrechnung ist sie in den meisten Fällen eine Voraussetzung für die Bezahlung der Honorare.

Frage 3: Auf Basis welcher Faktoren ist die Honorarberechnung in der Lobbyingbranche üblich und welche Verrechnungsmodalitäten bestehen bzgl allfälligen Erfolgshonoraren (z.B. bei Erreichung des Lobbyingziels in Form einer erwirkten Gesetzesänderung) bzw sind solche überhaupt üblich?
Die Honorarberechnung erfolgt üblicherweise auf Basis der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit. Zu Beginn der Zusammenarbeit werden Stunden- oder Tagessätze vereinbart, nach denen die Leistungen abgerechnet werden. Diese Abrechnung erfolgt für gewöhnlich monatlich. Bei längerfristigen Kooperationen sind pauschalierte Honorare gängig. Grundlage dafür ist eine schriftliche Vereinbarung über einen bestimmten Leistungsumfang, der von der Agentur zu erbringen ist und durch das Pauschalhonorar abgedeckt ist. Erfolgshonorare sind bei seriösen Agenturen nicht üblich, werden teilweise prinzipiell abgelehnt. Der Verhaltenskodex der ÖPAV verbietet in Artikel 8 ausschließliche oder überwiegende Erfolgskomponenten bei der Honorierung.

„Zu ergänzen ist allerdings, dass mangels unscharfer Begriffsdefinition in Medien auch Geschäftevermittler als „Lobbyisten“ bezeichnet werden. Bei der Vermittlung von Geschäften sind Erfolgshonorare durchaus üblich, allerdings entspricht diese Tätigkeit nicht dem Berufsverständnis der ÖPAV von professionellen Lobbyisten“, so Feri Thierry, Präsident der ÖPAV.

ÖSTERREICHISCHE PUBLIC AFFAIRS-VEREINIGUNG · BREITENFURTER STRASSE 518 B · 1230 WIEN
TELEFON + 43 660 94 08 300 · E-MAIL OFFICE@OEPAV.AT · INTERNET WWW.OEPAV.AT