7. Public Affairs Kongress

Zeit und Ort

Frei­tag, 16. Okto­ber 2026, 08:30 – 14:30 Uhr | Saal der Lab­stel­le (Woll­zei­le 1, 1010 Wien)

Geo­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen bestim­men poli­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se zuneh­mend und schrän­ken natio­na­le Spiel­räu­me zuneh­mend ein. Gleich­zei­tig neh­men die Ver­än­de­run­gen durch AI und die Aus­wir­kun­gen auf die Poli­tik und die poli­ti­sche Arbeit zu.

Unser 7. Public Affairs Kon­gress 2026 wid­met sich die­sen Her­aus­for­de­run­gen mit inspi­rie­ren­den Key­notes und anschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­sio­nen. Wir laden Sie herz­lichst dazu ein.

Programm

Moderation

Yil­maz Gülüm, Redak­teur und Mode­ra­tor des Poli­tik-Maga­zins Report im ORF

Speaker und Podiumsdiskussionen

„Glo­ba­le (Un)Ordnung? Geo­po­li­ti­sche Nar­ra­ti­ve und stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on“

  • Leo­nie Hai­den, Key­note
    Kom­mu­ni­ka­ti­ons­exper­tin und Europe’s Futures Alum­ni des IWM

Leo­nie Hai­den stu­dier­te an der Uni­ver­si­tät Oxford und pro­mo­vier­te am King’s Col­lege Lon­don, anschlie­ßend war sie in der Stab­stel­le Stra­te­gie und Pla­nung des öster­rei­chi­schen Außen­mi­nis­te­ri­ums tätig. In ihrer For­schung beschäf­tigt sie sich u.a. mit stra­te­gi­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on. Als Europe’s Futures Alum­na (IWM) und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­exper­tin bei der ERSTE Stif­tung beschäf­tigt sie sich mit den Her­aus­for­de­run­gen stra­te­gi­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on im 21. Jahrhundert.

„Elec­tion Tech Wars: US-mid­terms und die Wahl in Frank­reich“

  • Josef Lentsch, Key­note
    Poli­ti­cal Entre­pre­neur und Grün­der des Poli­ti­cal Com­mu­ni­ca­ti­on Summit

Josef Lentsch stu­dier­te Psy­cho­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Wien. Anfang der 2000er grün­de­te er das Kar­rie­re­por­tal Uni­port. Es folg­te ein Post­gra­dua­te-Pro­gramm (Mas­ter of Public Admi­nis­tra­ti­on) in Har­vard, danach war er am Auf­bau der NEOS betei­ligt und bis 2018 Lei­ter des NEOS Lab. 2019 wur­de er Mana­ging Part­ner des Insti­tu­te for Inno­va­ti­on in Poli­tics Ger­ma­ny in Ber­lin und grün­de­te 2024 das Poli­ti­cal Tech Summit.

Jetzt geht’s rich­tig los. Aber wohin? – KI in Kom­mu­ni­ka­ti­on und Public Affairs

  • Rapha­el Neu­ner
    AI-Exper­te und Part­ner FGS Global

Rapha­el Neu­ner ist Part­ner bei FGS Glo­bal und lei­tet das  Team AI+Innovation Euro­pe. Er berät DAX-Unter­neh­men, Ver­bän­de und glo­bal play­er zu stra­te­gi­scher Kom­mu­ni­ka­ti­on unter KI-Bedin­gun­gen, mit fünf­zehn Jah­ren Erfah­rung auf Minis­te­ri­ums- und EU-Ebene.

Showcases

Show­ca­se 1: Data First. AI Second. War­um die Rei­hen­fol­ge zählt 

  • Felix Kund­lacz
    Seni­or Busi­ness Deve­lo­p­ment Mana­ger DACH, PANALIS Solu­ti­ons GmbH

KI kann nur so gut sein wie die Daten, auf denen sie basiert. Der Show­ca­se zeigt, war­um im Public-Affairs-Umfeld eine belast­ba­re Daten­ba­sis ent­schei­dend für poli­ti­sche Früh­auf­klä­rung ist und wes­halb mensch­li­che Exper­ti­se auch im KI-Zeit­al­ter unver­zicht­bar bleibt.

Show­ca­se 2: Vom Minis­te­ri­al­ent­wurf zur Stel­lung­nah­me: Wie KI die Par­ti­zi­pa­ti­on am Gesetz­ge­bungs­pro­zess erleichtert

  • Bern­hard Land­rich­ter
    Co-Foun­der & CEO von Codara Group GmbH

Wer Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren manu­ell ver­folgt, erfährt oft zu spät von neu­en Ent­wick­lun­gen, um noch sinn­voll Stel­lung neh­men zu kön­nen. Der Show­ca­se zeigt anhand eines lau­fen­den Begut­ach­tungs­ver­fah­rens, wie ein KI-gestütz­tes Sys­tem rele­van­te Ent­wür­fe auto­ma­ti­siert erfasst, nach Betrof­fen­heit fil­tert und Fris­ten sicht­bar macht.

Mega­trend Unzufriedenheit

  • Eva Zeglo­vits

Eva Zeglo­vits ist Geschäfts­füh­re­rin und Mit­ei­gen­tü­me­rin des Insti­tuts für empi­ri­sche Sozi­al­for­schung (IFES). Davor war sie in der ange­wand­ten und uni­ver­si­tä­ren Sozi­al­for­schung tätig. Sie beob­ach­tet und erhebt seit vie­len Jah­ren die sozia­le Lage und Ein­stel­lun­gen in der Bevöl­ke­rung. Zu ihren For­schungs­schwer­punk­ten zäh­len poli­ti­sche und sozia­le Teil­ha­be und empi­ri­sche Metho­den der Sozialwissenschaften.

Podiumsdiskussion: Zwischen Geopolitik, Innenpolitik und hausgemachten Dauerkrisen: Gibt es eine positive Zukunftserzählung für Österreich?

anschließend Netzwerken & Flying Lunch

Anmeldung

Die Kon­gress­teil­nah­me ist kos­ten­los. Teilnehmer:innen, die trotz Anmel­dung nicht zur Ver­an­stal­tung erschei­nen, erhö­hen die Kos­ten für die ÖPAV. Wir ersu­chen Sie daher um Ihre
ver­bind­li­che Anmel­dung bis zum 25. Sep­tem­ber 2026 an office@oepav.at.

Wir freu­en uns auf einen inspi­rie­ren­den Aus­tausch,
Ihr ÖPAV-Vor­stand

6. Public Affairs Kongress

Zeit und Ort

Frei­tag, 17. Okto­ber 2025, 08:30 – 15:00 Uhr | 1060 Wien,  Getrei­de­markt 9

Tech­ni­sche Uni­ver­si­tät (TU) Wien, Cam­pus Getrei­de­markt | TUtheSky


Inter­na­tio­na­le Kon­flik­te beein­flus­sen poli­ti­sche Ent­schei­dungs­pro­zes­se immer direk­ter. Gleich­zei­tig stei­gen die Erwar­tun­gen an Hal­tung, Nach­hal­tig­keit und Ver­ant­wor­tung von Unter­neh­men – oft unter schwie­ri­gen Voraussetzungen.

Unser 6. Public Affairs Kon­gress 2025 wid­met sich die­sen Her­aus­for­de­run­gen mit zwei inspi­rie­ren­den Key­notes und anschlie­ßen­den Podi­ums­dis­kus­sio­nen, die Ori­en­tie­rung geben und Impul­se für die täg­li­che Pra­xis set­zen. Wir laden Sie herz­lichst dazu ein.

Programmablauf

08.30 – 09.00Ein­lass / Net­wor­king / Breakfast
09.00 – 09.15Begrü­ßung /AnmoderationPeter Köppl, ÖPAV
KEYNOTE 1
09.15 – 10.00
„Macht. Märk­te. Mei­nungs­bil­der – Public Affairs im glo­ba­len Umbruch“Vor­trag Ans­gar Baums inkl. Fragerunde
DISKUSSION
10.00 – 10.45
Podi­ums­dis­kus­si­onAns­gar Baums
Ronald Pich­ler, Phar­mig
Mat­thi­as Pirs, AT&S
Jut­ta Fabjan, Verbund
SHOWCASE
10:45 – 11.15
Wien KI & Wis­sens­da­ten­ban­ken für den dienst­li­chen Gebrauch in der StadtVor­trag Michel See­hu­ber, Stadt Wien
PAUSE
11.15 – 11.45
Kaf­fee­pau­se
KEYNOTE 2
11.45 – 12.30
Repu­ta­ti­ons­ri­si­ko Hal­tung?
Über ESG- und Diver­si­ty-Müdig­keit und neue Erwartungslagen
Vor­trag Dr. Lisz Hirn 
DISKUSSION
12.30 – 13:15
Podi­ums­dis­kus­si­onLisz Hirn
Katha­ri­na Schö­nau­er, KPMG
Mari­an­ne Neu­mül­ler-Klap­per, Nest­lé Nes­pres­so
Katha Häckel-Schin­king­er, Kommunikationsberaterin
LUNCH
13:30 – 15.00
Netz­wer­ken / Fly­ing Lunch

Mode­ra­ti­on: Yil­maz Gülüm, Redak­teur und Mode­ra­tor des Poli­tik-Maga­zins Report im ORF


    Speaker und Podiumsdiskussionen

    „Macht. Märk­te. Mei­nungs­bil­der – Public Affairs im glo­ba­len Umbruch“

    • Ans­gar Baums, Key­note
      Seni­or Advi­ser bei Sino­ly­tics, Exper­te für Govern­ment Relations/Geopolitisches Risikomanagement

    Ans­gar Baums ist ein aner­kann­ter Exper­te für geo­po­li­ti­sches Risi­ko­ma­nage­ment und digi­ta­le Stra­te­gie. Er berät als Seni­or Advi­sor bei Sino­ly­tics sowie bei SUB Ers­te Lesung und ist non-resi­dent Seni­or Fel­low am Stim­son Cen­ter. 2023 war er Hel­mut Schmidt Fel­low des Ger­man Mar­shall Fund.
    Füh­rungs­rol­len bei HP, Zoom und SAP sowie Sta­tio­nen bei Bit­kom und dem Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz unter­strei­chen sei­ne Expertise.

    Im Anschluss an die Key­note dis­ku­tie­ren Expert:innen gemein­sam mit Ans­gar Baums über aktu­el­le geo­po­li­ti­sche Ver­än­de­run­gen im Public Affairs Bereich.

    „Repu­ta­ti­ons­ri­si­ko Hal­tung? Über ESG- und Diver­si­ty-Müdig­keit und neue Erwartungslagen“

    • Lisz Hirn, Key­note
      Phi­lo­so­phin, Publi­zis­tin, Dozen­tin und frei­be­ruf­li­che Künstlerin

    Lisz Hirn ist Phi­lo­so­phin, Publi­zis­tin und Dozen­tin mit Schwer­punkt auf poli­ti­scher Phi­lo­so­phie, inter­kul­tu­rel­ler Ethik und phi­lo­so­phi­scher Pra­xis. Sie lehrt an der Uni­ver­si­tät Wien und der TU Wien, war Fel­low am For­schungs­in­sti­tut für Phi­lo­so­phie in Han­no­ver und Resi­den­cy Awar­dee am Adis­hak­ti Labo­ra­to­ry in Indi­en. Zudem ist sie Obfrau des Ver­eins für pra­xis­na­he Phi­lo­so­phie, Vor­stands­mit­glied der Gesell­schaft für ange­wand­te Phi­lo­so­phie und inter­na­tio­nal auch künst­le­risch tätig.

    Eben­falls im Anschluss an die Key­note fin­det eine Dis­kus­si­ons­run­de zwi­schen Lisz Hirn und wei­te­ren aus­ge­wähl­ten Expert:innen statt.

    Showcase

    • Michel See­hu­ber: „Wien­KI & Wis­sens­da­ten­ban­ken für den dienst­li­chen Gebrauch in der Stadt Wien“
      Lei­ter Cloud Tech­no­lo­gien (GAT4), Cloud Enter­pri­se Archi­tekt, Wien Digital

    anschließend Netzwerken & Flying Lunch

    Anmeldung

    Die Kon­gress­teil­nah­me ist kos­ten­los. Teilnehmer:innen, die trotz Anmel­dung nicht zur Ver­an­stal­tung erschei­nen, erhö­hen die Kos­ten für die ÖPAV. Wir ersu­chen Sie daher um Ihre
    ver­bind­li­che Anmel­dung bis zum 26. Sep­tem­ber 2025 an office@oepav.at.

    Wir freu­en uns auf einen inspi­rie­ren­den Aus­tausch,
    Ihr ÖPAV-Vor­stand

    5. Public Affairs Kongress

    18. Oktober 2024

    Wann: Frei­tag, 18. Okto­ber 2024, 08:30 – 15:00 Uhr

    Wo: Saal der Lab­stel­le (Woll­zei­le 1, 1010 Wien)

    Programm

    Wir laden Sie herz­lich ein, beim 5. Public Affairs Kon­gress mit hoch­ka­rä­ti­gen Gäs­ten
    fol­gen­de The­men zu diskutieren:

    • Nach­hal­tig­keits­re­port­ing
    • Ein­satz von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI) in Public Affairs
    • die Natio­nal­rats­wahl sowie die Her­aus­for­de­run­gen der nächs­ten Legislaturperiode

    Speaker

    • Peter Tul­kens, Public-Affairs-Exper­te sowie Part­ner & Head of Green Tran­si­ti­on, FIPRA Inter­na­tio­nal (Brüs­sel): „On the road towards ESG com­pli­ance: what role to play for govern­ment affairs?”
    • Juli­an Lam­ber­tin, Daten­wis­sen­schaft­ler und Per­sua­si­ons­psy­cho­lo­ge sowie Lei­ter Bereich Daten­ana­ly­se für stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on, FTI Con­sul­ting in Euro­pa, dem Nahen Osten und Afri­ka (Mün­chen): „AI in Public Affairs: tools, stra­te­gies, and implications”
    • Chris­ti­na Helf, Stra­te­gi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Polit-Exper­tin sowie Initia­to­rin der KI-Platt­form parlament.fyi: „Mit KI durch den poli­ti­schen Dschun­gel: parlament.fyi als Co-Pilot für Public Affairs Profis“

    Podiumsdiskussion

    Anschlie­ßend an die Vor­trä­ge dis­ku­tie­ren Expert:innen über „Game of Votes: Ein Blick auf das Wahl­re­sul­tat 2024“:

    • Dr. Kath­rin Stai­ner-Häm­mer­le, Poli­tik- und Rechts­wis­sen­schaft­le­rin
      sowie Pro­fes­so­rin für Poli­tik­wis­sen­schaft an der Fach­hoch­schu­le Kärnten
    • Sara Gras­el, Chef­re­dak­teu­rin und lang­jäh­ri­ge Wirt­schafts­jour­na­lis­tin,
      Selek­tiv – Das neue Medi­um für Wirt­schaft in Österreich
    • Dr. Petra Bern­hardt, Poli­tik­wis­sen­schaft­le­rin sowie Hoch­schul­lehr­gangs­lei­te­rin
      an der FH Cam­pus Wien

    anschließend Netzwerken & Flying Lunch

    Anmeldung

    Die Kon­gress­teil­nah­me ist kos­ten­los. Per­so­nen, die trotz Anmel­dung nicht zur Ver­an­stal­tung erschei­nen, erhö­hen die Kos­ten für die ÖPAV. Wir ersu­chen Sie daher um Ihre ver­bind­li­che Anmel­dung bis zum 4. Okto­ber 2024 an office@oepav.at.

    Wir freu­en uns auf einen inspi­rie­ren­den Aus­tausch,
    Ihr ÖPAV-Vor­stand

    Fotos vom 3. Public Affairs Kongress

    Mitreden in der digitalen Agora

    Autoren: Joa­chim Kurz & Wal­ter Osz­to­vics | 10. Mai 2022

    Edward Strasser ist Gründer und CEO einer Organisation, deren Name zunächst wie ein Widerspruch in sich klingt: Innovation in Politics Institute. Die Mitarbeiter:innen dieses Instituts suchen europaweit Menschen mit neuen Ideen zur Belebung der Demokratie. Sie vernetzen und dokumentieren solche Innovationen. Einmal im Jahr lässt das Institut interessante Initiativen durch eine Fachjury sowie durch Bürger:innen bewerten. Die besten Ideen erhalten dann einen der Innovation in Politics Awards. Beim Treffen mit dem Arbeitskreis Digital Public Affairs beschrieb Strasser, wie digitale Instrumente mehr Partizipation und Bürgernähe schaffen können – und dazu zwingen, politische Prozesse neu zu denken.


    Abseits der ein­ge­ses­se­nen Insti­tu­tio­nen ist das Feld der Poli­tik wesent­lich inno­va­ti­ver, als die meis­ten anneh­men wür­den. Die­se Erfah­rung hat Edward Stras­ser selbst über­rascht, wie er sagt: 

    „Der Druck zur Ver­än­de­rung ist enorm hoch. In allen euro­päi­schen Demo­kra­tien sinkt das Ver­trau­en in die gewähl­ten poli­ti­schen Ver­tre­ter. Quer durch alle Schich­ten und Berufs­grup­pen erle­ben wir eine mas­si­ve Ero­si­on des Ver­trau­ens in Politik.“

    Technologie für mehr Demokratie

    Die­ser Wan­del ist natür­lich auch den poli­ti­schen Akteu­ren nicht ent­gan­gen. In allen Par­tei­en und Insti­tu­tio­nen wird dar­über nach­ge­dacht, so Stras­ser, „wie Poli­tik heu­te sein muss, damit sie wie­der bei den Bürger:innen ankommt.“ Eine Ant­wort lau­tet: Sie muss näher an die Bürger:innen rücken, muss Zivil­ge­sell­schaft und Ein­zel­per­so­nen stär­ker in poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen invol­vie­ren. Die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung lie­fert dazu völ­lig neue Mög­lich­kei­ten, sagt Stras­ser, das zei­ge sich auch in den Pro­jek­ten, die für den Inno­va­ti­on in Poli­tics Award nomi­niert werden: 

    „Im Bereich der digi­ta­len Par­ti­zi­pa­ti­on bewegt sich der­zeit sehr viel.“

    In Euro­pa ent­steht gera­de ein ech­ter Markt für jene Dienst­leis­tun­gen, für die sich wohl der Begriff „Demo­cra­cy Tech­no­lo­gy“ ein­bür­gern wird. Star­ke Zuwäch­se las­sen sich sowohl auf der Anbie­ter- als auch auf der Nach­fra­ger­sei­te beob­ach­ten. Anbie­ter sind vor allem Soft­ware-Ent­wick­ler und Online-Ser­vice-Pro­vi­der, die Pro­gram­me für öffent­li­che Kon­sul­ta­tio­nen eben­so anbie­ten wie für Abstim­mun­gen oder für orga­ni­sier­te Debat­ten über aktu­el­le Fra­gen. Nach­ge­fragt wer­den sol­che Tech­no­lo­gien von NGOs, von Ver­bän­den und gro­ßen Inter­es­sens­or­ga­ni­sa­tio­nen, aber auch in hohem Maße von Städ­ten und Gemein­den, denn auf kom­mu­na­ler Ebe­ne ist die digi­ta­le Mit­be­stim­mung bereits am wei­tes­ten fort­ge­schrit­ten. Zumin­dest im Rest von Euro­pa, denn „Öster­reich ist in die­sem Punkt lei­der Entwicklungsland.“

    Formen der digitalen Mitbestimmung

    Für die Par­ti­zi­pa­ti­on über das Inter­net gibt es eine Fül­le von Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten. Stras­ser beob­ach­tet, dass sich der­zeit fünf Fel­der am stärks­ten entwickeln:

    1. Par­ti­zi­pa­ti­ve Budgets

    Gro­ße Städ­te wie Paris oder Bar­ce­lo­na haben es vor­ge­macht, vie­le ande­re sind gefolgt und haben dar­aus einen der erfolg­reichs­ten Trends in der Bürger:innenbeteiligung gemacht: Wähler:innen kön­nen auf Online-Platt­for­men Vor­schlä­ge machen, wofür das Stad­bud­get (jeden­falls ein Teil davon) ver­wen­det wer­den soll. Über die Vor­schlä­ge wird eben­falls online abge­stimmt. Pro­jek­te, die auf die­se Wei­se eine Mehr­heit erhal­ten, sind dann für die Stadt­re­gie­rung bin­dend, es han­delt sich also nicht ein­fach um Befra­gun­gen und Mei­nungs­aus­tausch. Die­se Ver­bind­lich­keit ist wich­tig, betont Strasser: 

    „Zum einen erhält die Mit­ar­beit der Bürger:innen nur so ihren Sinn, denn sie wis­sen, dass sie nicht nur Fei­gen­blatt spie­len, son­dern wirk­lich ent­schei­den kön­nen. Zum ande­ren gehen alle Betei­lig­ten wesent­lich ver­ant­wor­tungs­vol­ler vor, wenn klar ist, dass hier wirk­lich Steu­er­geld kana­li­siert wird.“

    Gelun­ge­ne Bei­spie­le für Pro­jek­te die­ser Art lie­fern neben Paris auch Bar­ce­lo­na und Reykjavik.

    2. Par­ti­zi­pa­ti­ve Gesetzesarbeit

    Die akti­ve Mit­wir­kung an der Aus­ar­bei­tung von Geset­zen ist sehr anspruchs­voll, sie ver­langt auch den teil­neh­men­den Bür­ge­rin­nen viel Wis­sen ab, sowohl inhalt­lich als auch pro­zes­su­al. Das soll aber nicht davon abhal­ten, wenigs­tens ein­fa­che Stel­lung­nah­men über Online-Tools mög­lich zu machen. Dafür muss aber wie­der die Soft­ware eini­ges drauf­ha­ben, erläu­tert Strasser: 

    „Wenn das nicht in Pseu­do-Mit­wir­kung für den Papier­korb abglei­ten soll, braucht es Pro­gram­me der Künst­li­chen Intel­li­genz (KI), um vie­le tau­send Vor­schlä­ge und Anmer­kun­gen aus­wer­ten zu können.“

    3. Online Voting

    Wenn Abstim­mungs­pro­zes­se online funk­tio­nie­ren sol­len, müs­sen die Sys­te­me hohe Sicher­heits­stan­dards erfül­len, sowohl was die zwei­fels­freie Iden­ti­fi­ka­ti­on der Wähler:innen betrifft, als auch die Fäl­schungs- und Abhör­si­cher­heit. Die EU hat inzwi­schen Emp­feh­lun­gen für Sicher­heits­vor­schrif­ten aus­ge­ar­bei­tet, die von den Anbie­tern der e‑Vo­ting-Sys­te­me ein­ge­for­dert wer­den soll­ten. Wenn die Sicher­heit gewähr­leis­tet ist, kann e‑Voting die Teil­nah­me an Wah­len deut­lich ver­bes­sern und in vie­len Län­dern den Zugang von sonst mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen erleichtern.

    4. „Fix my street“-Plattformen

    Wenn der Kanal­de­ckel an der Ecke klap­pert, die Stra­ßen­la­ter­ne aus­ge­fal­len ist oder der Wind die Glas­schei­be des Tram­way-War­te­häus­chens ein­ge­schla­gen hat – wohin soll man sich dann als Anrai­ner wen­den? Online-Adres­sen, wo man sol­che Beob­ach­tun­gen sim­pel und form­los mel­den kann, stel­len kei­ne gro­ße Inno­va­ti­on dar, sie ver­bes­sern aber den Dia­log zwi­schen Ver­wal­tung und Bürger:innen und erhö­hen die Acht­sam­keit gegen­über dem öffent­li­chen Raum.

    5. Trans­pa­renz, Infor­ma­ti­on, Mei­nungs­bil­dung und Diskussion

    Der Dis­ku­tier-Stamm­tisch, die Nach­bar­schafts­ver­samm­lung, die Grät­zel­run­de – sie alle kön­nen sich künf­tig auch in Online-Grup­pen orga­ni­sie­ren. Online-Tools kön­nen ein­ge­setzt wer­den, um die Pro­zes­se der Poli­tik und der Ver­wal­tung trans­pa­ren­ter zu machen, um gezielt über Pro­jek­te zu infor­mie­ren und um Dis­kus­sio­nen bei den Betrof­fe­nen anzustoßen.

    Eine Frage des Bewusstseins

    War­um han­delt es sich bei die­sen For­men der digi­ta­len Mit­wir­kung trotz aller Erfol­ge immer noch um Inno­va­tio­nen, die erst so rich­tig Fuß fas­sen müs­sen? Edward Stras­ser ortet hier ein man­geln­des Ver­ständ­nis auf Sei­ten der Politik: 

    „Vie­le haben die Idee noch über­haupt nicht ver­stan­den. Gera­de poli­ti­sche Par­tei­en ste­hen einer ech­ten Mit­spra­che der Bürger:innen skep­tisch gegen­über. Dort herrscht die Über­zeu­gung: ‚Wir wis­sen bes­ser, was die Men­schen brau­chen, als sie sel­ber.‘ Da fehlt die Offenheit.“

    Erfolg­rei­che Par­ti­zi­pa­ti­on – ob online oder im direk­ten Kon­takt – erfor­dert eine Kul­tur des Ver­trau­ens, so Stras­ser. Die Teil­neh­men­den müs­sen ver­trau­en, dass die Pro­zes­se ordent­lich gema­nagt wer­den, dass ihre Arbeit ernst genom­men wird und dass das, was sie tun, irgend­ei­ne Wir­kung haben wird. Sie müs­sen bereit sein, das Risi­ko der Ergeb­nis­of­fen­heit ein­zu­ge­hen. Und sie müs­sen ver­trau­en in die eige­nen Fähig­kei­ten haben, „die Über­zeu­gung, dass etwas Geschei­tes her­aus­kom­men kann.“

    Gro­ßes Augen­merk muss auf Inklu­si­on und Reprä­sen­ta­ti­vi­tät gelegt wer­den. Online-Pro­zes­se ermög­li­chen leich­te und nied­rig­schwel­li­ge Zugän­ge – aber nur für Men­schen, die mit Com­pu­tern umge­hen kön­nen und sel­ber einen Lap­top besit­zen. Es ist wich­tig, dar­auf zu ach­ten, dass die weni­ger IT-affi­nen Bevöl­ke­rungs­grup­pen nicht aus­ge­grenzt werden.

    Missbrauch verhindern

    Schließ­lich spielt auch die Aus­wahl der rich­ti­gen Tech­no­lo­gie eine Rolle: 

    „Hier klärt sich gera­de der Markt. Es sind sehr vie­le Anbie­ter unter­wegs, daher gibt es auch jede Men­ge Schar­la­ta­ne oder auch Sys­te­me, die im Ernst­fall mit sehr gro­ßen Daten­men­gen nicht zurechtkommen.“

    Unzu­rei­chen­de Tech­nik kann oft die Ursa­che gewe­sen sein, war­um jemand ver­meint­lich schlech­te Erfah­run­gen mit digi­ta­ler Par­ti­zi­pa­ti­on gemacht hat. Wie anfäl­lig sind die Demo­kra­tie-Algo­rith­men gegen­über Miss­brauch, sei es durch Schlam­pe­rei oder durch geziel­te Hacker­an­grif­fe? „Die­se Sor­ge muss man ernst neh­men“, sagt Strasser:

    „Die Sicher­heit braucht sicher größ­tes Augen­merk, die Angst vor Miss­brauch darf aber nicht zum Vor­wand wer­den, um die Digi­ta­li­sie­rung der Demo­kra­tie zu ver­zö­gern. Die weit­aus größ­te Zahl der bereits exis­tie­ren­den Pro­jek­te ist in die­ser Hin­sicht völ­lig unproblematisch.“

    In den nächs­ten Jah­ren erwar­tet Edward Stras­ser jeden­falls einen wei­te­ren Schub in Rich­tung digi­ta­ler Partizipation: 

    „Dafür sorgt allein schon die Tat­sa­che, dass die EU die Gel­der im Rah­men ihres Green Deals an Par­ti­zi­pa­ti­on gekop­pelt hat. Kli­ma­schutz-Initia­ti­ven sind nur för­de­rungs­wür­dig, wenn sie par­ti­zi­pa­ti­ve Ele­men­te ent­hal­ten. Dar­über hin­aus sehen wir, dass der Wunsch der Bürger:innen nach Mit­wir­kung immer wei­ter steigt. Die Wel­le hat erst begonnen.“


    Die Krux mit den Umfragedaten

    Autorin: Chris­ti­na Helf | 30. März 2022

    Echtzeit-Daten gelten als Gamechanger der Umfragewelt. Das Berliner Umfrageinstitut Civey macht sich mit einer neuartigen Erhebungsmethode den Trend zunutze.

    Daten sind das neue Gold der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­welt. Sie sind ein Schatz, den Orga­ni­sa­tio­nen bes­ser vor­ges­tern als heu­te erhe­ben soll­ten. Denn was ges­tern viel­leicht noch als “tren­dig” oder rich­tig galt, kann in weni­gen Stun­den schon “old news” sein. Kon­ven­tio­nel­le Umfra­ge­me­tho­den wie Tür zu Tür oder Tele­fon-Inter­views, die oft lan­ge dau­ern und teu­er sind, ste­hen daher zuneh­mend auf dem Prüf­stand. Die Krux liegt in der Schnel­lig­keit und Qua­li­tät der Daten­er­fas­sung. Das Ber­li­ner Unter­neh­men Civey mischt den Polit-Betrieb für Umfra­gen in Deutsch­land auf – mit einer neu­en Her­an­ge­hens­wei­se. Was macht es anders? Der Arbeits­kreis Digi­tal Public Affairs hat recherchiert!


    Umfra­gen sind in den letz­ten Jah­ren immer mehr unter Ver­ruf gera­ten. Nicht nur, dass es immer schwie­ri­ger wird, die rich­ti­gen Men­schen zur Teil­nah­me zu bewe­gen – auch der Zeit­punkt und die Art der Erhe­bungs­me­tho­den wer­den ver­mehrt ange­zwei­felt. Gera­de vor Wah­len lagen Umfra­gen in der Ver­gan­gen­heit daher manch­mal kom­plett falsch. Zum Bei­spiel sag­ten fast alle Pro­gno­sen einen Sieg Hil­la­ry Clin­tons über Trump vor­aus – und lagen dane­ben. Fakt ist: Ob eine Daten­er­he­bung seri­ös ist, hängt neben der Anzahl der befrag­ten Per­so­nen von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. Wähler_innen wer­den zudem kom­ple­xer, ihre Mei­nun­gen ändern sich schnel­ler und wer­den durch Kri­sen wie Pan­de­mien und Krie­ge stark beein­flusst. Soll­te auf Umfra­gen des­halb ver­zich­tet wer­den? Oder soll­ten sich die Metho­den für Umfra­gen ein­fach ändern? Das Unter­neh­men Civey hat sich zu Zwei­te­rem entschieden.

    Stef­fen Braun, VP Sales und Part­ner bei Civey. Civey ist eine Wort­krea­ti­on und setzt sich aus „citi­zen und sur­vey“ zusammen.

    Stef­fen Braun ist Part­ner und VP Sales bei Civey, einem Unter­neh­men für digi­ta­le Markt- und Mei­nungs­for­schung in Deutsch­land, das Daten fort­lau­fend online erhebt. Nach nur weni­gen Jah­ren ist das Ber­li­ner Unter­neh­men im Big Game der Umfra­ge­insti­tu­te ange­kom­men. Zu sei­nen Kun­den zäh­len poli­ti­sche Entscheider_innen eben­so wie Par­tei­en, Unter­neh­men oder Agen­tu­ren. Mit über 100 Mitarbeiter_innen lässt Civey sein Start­up-Image zumin­dest am Papier hin­ter sich. Die dis­rup­ti­ven Ideen sind geblieben:

    Ein breites Mediennetzwerk als Multiplikator

    In der Online-Dis­kus­si­ons­run­de mit dem Arbeits­kreis erklärt Stef­fen Braun, wie man bei Civey im Gegen­satz zu her­kömm­li­chen Insti­tu­ten mit Umfra­ge­da­ten arbei­tet: Die Panelis­ten wer­den über Umfra­gen auf Medi­en­platt­for­men rekru­tiert. Ihre Ant­wor­ten wer­den von Algo­rith­men reprä­sen­ta­tiv umge­rech­net und in Echt­zeit an die User_innen aus­ge­spielt. Dafür hat Civey ein gro­ßes Netz­werk von Medi­en­part­nern zur Ver­fü­gung, über die es Umfra­gen ver­öf­fent­licht. Dar­un­ter fal­len Platt­for­men wie der Spie­gel, t‑online, das Han­dels­blatt, Focus online und Spe­cial Inte­rest Medi­en. Der Vor­teil: Civey plat­ziert sei­ne Fra­gen orga­nisch an den Stel­len, an denen sich Men­schen mit ähn­li­chen Inter­es­sen tummeln.

    Ein ausgeklügeltes Anreizsystem

    Rund eine Mil­li­on veri­fi­zier­te Men­schen zäh­len zum Panel von Civey, die monat­lich zu den unter­schied­lichs­ten The­men bei Civey abstim­men. Dass so vie­le Men­schen mit­ma­chen, liegt an sei­nem aus­ge­klü­gel­ten Anreiz­sys­tem. Denn für jede Beant­wor­tung erhal­ten die Teilnehmer_innen eine unmit­tel­ba­re Beloh­nung in Form eines reprä­sen­ta­ti­ven Gesamt­ergeb­nis­ses. Damit schlägt Civey sei­ne Kon­kur­renz nicht nur in Sachen Geschwin­dig­keit bei der Aus­spie­lung der Daten, son­dern v.a. bei der Reich­wei­te. Denn das gro­ße Pro­blem bei Umfra­gen liegt dar­in, dass Men­schen oft schlicht­weg die „Lust“ dazu fehlt, bei Umfra­gen mit­zu­ma­chen – egal, ob per Tele­fon, auf der Stra­ße oder online.

    Die Beloh­nung sei von Anfang an eine zen­tra­le Erfolgs­zu­tat des Pro­jekts gewe­sen, erklärt Stef­fen Braun. Ob es funk­tio­nie­ren wür­de, war nicht gleich klar. Über die Jah­re per­fek­tio­nier­te das Team bei Civey die Metho­dik: Wich­tig sei, dass kei­ne 25 Fra­gen zu einem The­ma gestellt wer­den, son­dern dass sich die­se durch­mi­schen, um das Inter­es­se des Teil­neh­men­den nicht zu rasch zu ver­lie­ren und gleich­zei­tig auch sta­tis­tisch not­wen­di­ge Schrit­te zu gehen.

    Gra­fik: Bei­spiel einer Civey-Umfra­ge zur Zufrie­den­heit der Deut­schen mit dem Koali­ti­ons­ver­trag der Ampel­ko­ali­ti­on. Mehr dazu hier.

    Transparenz schafft Vertrauen

    Ein wei­te­res Unter­schei­dungs­merk­mal von Civey liegt in der Trans­pa­renz. Jedes Ergeb­nis von Civey ist offen zugäng­lich. Besucher_innen der Medi­en-Web­sei­ten bekom­men im Anschluss das Ergeb­nis gleich ange­zeigt. Neben der eigent­li­chen Umfra­ge wer­den im ers­ten Schritt Zusatz­da­ten wie Alter, Geschlecht und Post­leit­zahl abge­fragt. Außer­dem wer­den meh­re­re Umfra­gen in Fol­ge durch­ge­führt. Die Algo­rith­men veri­fi­zie­ren in einem län­ge­ren Pro­zess die Teil­neh­men­den. Nur deren Ant­wor­ten flie­ßen in die quo­tier­ten Stich­pro­ben ein, die im Anschluss noch nach­ge­wich­tet wer­den. Die Teil­neh­mer an den Umfra­gen sehen somit sofort das reprä­sen­ta­ti­ve Ergeb­nis. Damit trimmt sich das Unter­neh­men selbst von Beginn an hin, rich­tig zu lie­gen. „Trans­pa­renz ist uns wich­tig für die Nut­zer und zwingt uns auch, unse­re Arbeit gut zu machen“, betont Stef­fen Braun. Den berühm­ten „Gift­schrank“, wo jene Ergeb­nis­se hin­ein­wan­dern, die dem Kun­den „nicht gefal­len“, gibt es durch die Trans­pa­renz bei Civey nicht mehr. Damit will Civey auch sei­nen Bei­trag leis­ten, den ange­schla­ge­nen Ruf von Umfra­gen zu reha­bi­li­tie­ren und Ver­trau­en zurückzugewinnen.

    Frage der Repräsentativität

    Beson­ders in den Anfangs­jah­ren war Civey aber auch mit Kri­tik zur Reprä­sen­ta­ti­vi­tät sei­ner Ergeb­nis­se kon­fron­tiert. Stef­fen Braun erklärt: 

    „Jede Befra­gungs­form erreicht man­che Grup­pen bes­ser als ande­re. Wir bei Civey errei­chen sicher nicht die Gesamt­be­völ­ke­rung. Das ist mit Tele­fon­um­fra­gen oder Face to Face auch nicht mög­lich. Aber die Inter­net­nut­zung liegt in Deutsch­land bei über 95 Pro­zent. Wir wis­sen daher sehr gut, wen wir errei­chen, wir ken­nen unse­re Verzerrungen.“

    In Zukunft möch­te Civey sei­ne neu­ar­ti­ge Umfra­ge­me­tho­de auch Kun­den im Aus­land zugäng­lich machen. Die Expan­si­on in den EU-Big5 Raum oder den DACH-Raum sei in naher Zukunft geplant.

    Wir sind freu­dig gespannt!


    Informiert sein, Mitreden, Interessen geltend machen – aber alles digital

    Autor: Wal­ter Osz­to­vics | 10.12.2021

    Demokratische Mitwirkung erfordert Information. Diese Information ist eine Bringschuld der Politik und zugleich eine wichtige Voraussetzung, damit Partizipation, Interessenvertretung und schließlich Lobbying fair und transparent möglich werden. Digitale Tools können in diesem Feld eine wichtige Rolle spielen und auf vielfältige Weise dazu beitragen, dass ein informierter und zugleich breiter Diskurs um politische Fragen möglich ist.

    Zu die­sem Ergeb­nis kam eine Dis­kus­si­ons­run­de auf der Platt­form Sta­ke­da­te zum The­ma „Infor­ma­ti­on & Demo­kra­tie – die Chan­cen der Digi­ta­li­sie­rung von Public Affairs“. Sta­ke­da­te-Mit­grün­der Theo Koch dis­ku­tier­te mit den Public-Affairs-Exper­ten Andre­as Kovar (Kovar & Part­ners) und Lisa Hen­ho­fer (Wien Ener­gie) sowie mit der Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Ewa Ernst-Dzied­zic (Grü­ne).

    Showcase 1: Stakedate

    Theo Koch hat gemein­sam mit Part­nern die Platt­form Sta­ke­da­te unter ande­rem des­halb gegrün­det, weil sich wäh­rend des ers­ten Coro­na-Lock­downs gezeigt hat­te, dass in einer Zeit der weit fort­ge­schrit­te­nen Digi­ta­li­sie­rung aus­ge­rech­net die Poli­tik das Inter­net noch nicht wirk­lich als Ort des demo­kra­ti­schen Dis­kur­ses ent­deckt hat. 

    „Wir sahen den Bedarf nach einer Platt­form, auf der sich Stake­hol­der über ihre Anlie­gen, ihre Posi­tio­nen und For­de­run­gen zu anste­hen­den poli­ti­schen Vor­ha­ben aus­tau­schen können.“

    Anfangs war Sta­ke­da­te ein Video­call mit ange­schlos­se­nen Speed-Date-Net­work-Funk­ti­on. Es soll­te ein Tool sein, wo im Lock­down trotz Kon­takt­ver­bots und Social Distancing die Public Affairs Arbeit in gewis­sem Aus­maß wei­ter­ge­führt wer­den konnte. 

    „Es hat sich aber schnell gezeigt, dass online wesent­lich mehr mög­lich ist, als nur eine Gesprächs­si­tua­ti­on vir­tu­ell abzubilden.“ 

    Sehr schnell kamen Funk­tio­nen hin­zu, mit denen Doku­men­te hoch­ge­la­den wer­den konn­ten, also auch nach­hal­ti­ger und ver­tief­ter Dis­kurs über das eigent­li­che Gespräch hin­aus orga­ni­siert wer­den konn­te. In der nächs­ten Ent­wick­lungs­stu­fe wur­de Sta­ke­da­te zu einer Platt­form, die nach poli­ti­schen The­men orga­ni­siert ist. Wel­che The­men ver­tre­ten sind, hängt einer­seits von den Mit­glie­dern der Platt­form ab, die jeder­zeit einen Dis­kurs star­ten kön­nen, zum ande­ren greift das Sta­ke­da­te-Team auch selbst aktu­el­le The­men auf und lädt dazu sein, sich zu ihnen zu äußern. Der­zeit sind etwa The­men wie „Boden­ver­sie­ge­lung“, „Lebens­mit­tel­wer­bung an Kin­der“, „Gen­tech­nisch ver­än­der­te Pflan­zen“ oder „Lie­fer­ket­ten­ge­setz“ vertreten.

    User kön­nen sich für belie­big vie­le The­men regis­trie­ren und wer­den dann über die wei­te­re Ent­wick­lung ihrer The­men auf Sta­ke­da­te regel­mä­ßig infor­miert. Und selbst­ver­ständ­lich kön­nen sie auch selbst Doku­men­te hochladen.

    Das Inter­net führt zwangs­läu­fig zu einem höhe­ren Maß Trans­pa­renz, da alle Teil­neh­mer nament­lich ange­mel­det sein müs­sen. Sta­ke­da­te hat die­se Trans­pa­renz zu einem Prin­zip gemacht: Alle User, die sich für ein bestimm­tes The­ma regis­triert haben, wer­den für alle ande­ren offen­ge­legt. Wer an einem Dis­kurs­pro­zess teil­nimmt, weiß daher, wer noch aller aktiv oder pas­siv invol­viert ist.

    Auf Sta­ke­da­te kann der Dia­log mit der Poli­tik sehr früh ein­set­zen, also nicht erst, wenn ein Minis­te­ri­al­ent­wurf eines Geset­zes vor­liegt. Über die­sen Kanal kön­nen auch Grup­pen, die nicht Teil des poli­ti­schen Estab­lish­ments sind, Agen­da Set­ting betrei­ben und The­men ori­gi­när in die poli­ti­sche Dis­kus­si­on einbringen.

    Anfangs, erzähl­te Koch, herrsch­te Skep­sis bei den Stake­hol­dern, man war sich nicht sicher, ob Sta­ke­da­te einer poli­ti­schen Rich­tung zuge­ord­net wer­den kann. Erst als alle poli­ti­schen Par­tei­en auf der Platt­form ver­tre­ten waren, war der Damm gebro­chen. Und für die Zukunft hofft Koch: 

    „Demo­kra­ti­sche Poli­tik soll ein Wett­be­werb der Ideen sein, aber für die­sen Wett­be­werb braucht es fai­re Aus­gangs­be­din­gun­gen, was den Kampf um die Auf­merk­sam­keit betrifft.“

    Showcase 2: e‑Comitee

    Andre­as Kovar prä­sen­tier­te ein völ­lig anders kon­zi­pier­tes Online-Dis­kus­si­ons-Tool, näm­lich e‑Comitee. Auf e‑Comitee kön­nen Tex­te hoch­ge­la­den und online dis­ku­tiert wer­den. Das kann in einer geschlos­se­nen Grup­pe von Ein­ge­la­de­nen gesche­hen, oder aber offen für jeder­mann und jede­frau. Dank einer Rei­he von Fea­tures ist es sehr ein­fach mög­lich, Tei­le eines hoch­ge­la­de­nen Tex­tes gezielt zu kom­men­tie­ren oder zu ergän­zen – die Kom­men­ta­re ste­hen dann ihrer­seits wie­der all­ge­mein zur Diskussion.

    e‑Comitee erleich­tert es vor allem auch, am Ende einer Dis­kus­si­ons­pha­se die Ergeb­nis­se zusam­men­zu­fas­sen und aus­zu­wer­ten und eig­net sich daher sehr gut für deli­be­ra­ti­ve Pro­zes­se oder für Arbeits­grup­pen und Aus­schüs­se, die am Ende einen Bericht über ihre Arbeit ablie­fern wollen.

    Die­se Form der E‑Partizipation hat eine Rei­he von Vor­tei­len. So kann eine gro­ße Grup­pe von Per­so­nen tat­säch­lich ein­be­zo­gen wer­den, die Qua­li­tät der Betei­li­gung steigt. Online wer­den Raum und Zeit in mehr­fa­cher Hin­sicht auf­ge­ho­ben. Man kann von über­all­her jeder­zeit Bei­trä­ge hoch­la­den oder kom­men­tie­ren. Man hat kei­ne Zeit­be­schrän­kung, woge­gen in rea­len Dis­kus­sio­nen die Rede­zeit stets beschränkt ist, es kom­men auch nicht immer alle zu Wort.

    „Anders als in Live-Mee­tings kann ich mei­nen Bei­trag in aller Ruhe erstel­len, nach­den­ken, über­ar­bei­ten, redi­gie­ren. Ich lade ihn erst hoch, wenn ich sicher bin, dass ich mei­nen Input gut rüber­ge­bracht habe. Ich kann mei­nen Bei­trag auch nach­träg­lich ergän­zen, wenn mir noch etwas ein­fällt, wäh­rend bei Live-Mee­tings die Ideen, die mir beim Weg­ge­hen drau­ßen im Stie­gen­haus kom­men, ver­lo­ren sind.“

    In der Pra­xis hat sich gezeigt, dass die größ­ten Stär­ken von e‑Comitee in der ers­ten Pha­se und in der Schluss­pha­se von län­ge­ren Online-Dis­kus­si­ons­pro­zes­sen lie­gen. Die Pha­se der ers­ten Ideen­fin­dung ver­läuft wesent­lich pro­duk­ti­ver, als das in Mee­tings der Fall wäre, wenn über eine oder zwei Wochen hin­weg Bei­trä­ge gesam­melt wer­den, die von Anfang an für alle sicht­bar sind und wo sich jeder inspi­rie­ren kann.

    Am Ende wie­der­um, wenn es dar­um geht, die gro­ße Zahl an Bei­trä­gen und Kom­men­ta­ren aus­zu­wer­ten, machen es die Tools von E‑Comitee eben­falls deut­lich leich­ter, Kate­go­rien zu bil­den und The­men zusammenzufassen. 

    „Dazwi­schen sind aller­dings sehr wohl Real Live Mee­tings sinn­voll, denn der per­sön­li­che Aus­tausch ist natür­lich inten­si­ver, wenn man sich trifft. Eine Kom­bi­na­ti­on von Online- und Off­line ist also die effek­tivs­te Form der Partizipation.“

    Ähn­lich wie Sta­ke­da­te ent­stand auch e‑Comitee einer­seits aus den Anfor­de­run­gen der prak­ti­schen PA-Arbeit, ande­rer­seits aber aus dem Wunsch, digi­ta­le Instru­men­te zur Ver­bes­se­rung der demo­kra­ti­schen Mög­lich­kei­ten zu nut­zen. Vor allem bei der direk­ten Par­ti­zi­pa­ti­on gibt es in Öster­reich star­ke Defi­zi­te, befand Kovar. Zudem haben die Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jah­re – Stich­wor­te Rechts­po­pu­lis­mus, Fake News, Spal­tung der Gesell­schaft – gezeigt, dass am Erhalt der demo­kra­ti­schen Kul­tur aktiv gear­bei­tet wer­den muss: 

    „Jah­re­lang haben wir dis­ku­tiert, wie wir die Demo­kra­tie wei­ter­ent­wi­ckeln kön­nen. Heu­te reden wir statt­des­sen über die Ver­tei­di­gung der Demokratie.“

    Showcase 3: Digital Public Affairs Wien Energie

    Für Lisa Hen­ho­fer ist Trans­pa­renz eines der Schlüs­sel­kri­te­ri­en für einen gelin­gen­den demo­kra­ti­schen Dis­kurs. Hen­ho­fer betreut unter ande­rem jene Web­site von Wien Ener­gie, wo das Unter­neh­men über sei­ne poli­ti­schen Anlie­gen spricht und auch den Dia­log mit den Stake­hol­dern sucht. 

    „Wir haben 2019 die ers­te digi­ta­le Public Affairs Platt­form in Öster­reich gestar­tet und sie seit­her sehr dyna­misch weiterentwickelt.“

    War­um das Unter­neh­men den Schritt wag­te, offen im Inter­net über sei­ne poli­ti­schen Posi­tio­nen und die von ihm ver­folg­ten Inter­es­sen zu kom­mu­ni­zie­ren, begrün­det Hen­ho­fer mit drei Motiven:

    • Die Digi­ta­li­sie­rung ver­än­dert die Form der poli­ti­schen Kommunikation.
    • Es gibt ein stei­gen­des Infor­ma­ti­ons­be­dürf­nis in der Bevöl­ke­rung, was die Inter­es­sen­po­li­tik und die poli­ti­schen Posi­tio­nen von Unter­neh­men betrifft.
    • Die Kli­ma­de­bat­te ist in der Mit­te der Gesell­schaft ange­kom­men. Ener­gie­un­ter­neh­men sind hier beson­ders gefor­dert und müs­sen zu Fra­gen der Kli­ma­po­li­tik Stel­lung nehmen.

    Inzwi­schen ent­hält die Public Affairs Web­sei­te von Wien Ener­gie eine Fül­le von Papie­ren zu den gro­ßen Ver­än­de­run­gen in den Berei­chen Wär­me, Strom oder EU-Kli­ma­po­li­tik. Alle The­men sind mit Per­so­nen ver­bun­den, die auch als Ansprech­per­so­nen fun­gie­ren und ihre Kon­takt­da­ten auf der Web­sei­te bekanntgeben.

    „Wir nut­zen die Platt­form, um zu zei­gen, wo wir ste­hen und wel­che poli­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen wir ein­for­dern, damit wir die­se Zie­le errei­chen kön­nen. Es geht uns dar­über hin­aus aber auch dar­um, ein neu­es Image für Inter­es­sen­ver­tre­tung auf­zu­bau­en. Lob­by­ing hat kei­nen guten Ruf, aber wie wir zei­gen, kann Lob­by­ing auch offen, trans­pa­rent, für alle sicht­bar im Inter­net statt­fin­den. Lob­by­ing kann dia­log­ori­en­tiert und sach­lich sein.“

    Die Sicht der Politik

    Ewa Ernst-Dzied­zic hat vor eini­gen Jah­ren den Wie­ner Streit­club gegrün­det, weil ihr Debat­ten­kul­tur gene­rell ein Anlie­gen ist und sie eine offe­ne Dis­kus­si­ons­kul­tur in Öster­reich ver­misst. Als Abge­ord­ne­te der Grü­nen im Par­la­ment ist sie poli­ti­sche Insi­de­rin, steht also auf Sei­ten derer, die poli­ti­sche Beschlüs­se fas­sen oder mit­ent­schei­den. Sie ist daher überzeugt: 

    „Wir müs­sen sowohl die for­ma­len Mög­lich­kei­ten der Par­ti­zi­pa­ti­on als auch die tat­säch­lich geleb­te Pra­xis weiterentwickeln.“ 

    Denn der Anspruch der Bevöl­ke­rung wächst, zu wis­sen, war­um die gewähl­ten Ver­tre­ter bestimm­te Ent­schei­dun­gen treffen: 

    „Wir Man­da­ta­re und Man­da­ta­rin­nen sind stär­ker gefor­dert, zu erklä­ren, was wir eigent­lich tun und wofür wir uns tat­säch­lich ein­set­zen, nicht nur in Wahl­re­den. Par­ti­zi­pa­ti­on kann nur dann erfolg­reich sein, wenn die Bürger:innen erle­ben, dass ihre Ideen und ihr Ein­satz auch ernst­ge­nom­men werden.“ 

    Aus der Sicht der Poli­tik sind For­ma­te wie Sta­ke­da­te und e‑Comitee des­halb zu begrü­ßen, weil es ihnen gelingt, „den Ton und die Sach­lich­keit von Debat­ten rich­tig zu tref­fen, was ja die Social Media nicht schaf­fen“. Es muss ein Anlie­gen der Poli­tik sein, die Mög­lich­kei­ten der Digi­ta­li­sie­rung zu nut­zen, um mög­lichst vie­le Men­schen zu errei­chen, mein­te Ewa Ernst-Dziedzic: 

    „Poli­tik darf nicht etwas sein, was im Hohen Haus hin­ter stau­bi­gen Wän­den statt­fin­det, aber nichts mehr mit der digi­ta­len Lebens­rea­li­tät der Men­schen zu tun hat.“


    Amtsgeheimnis oder Informationsfreiheit?

    Autor: Nico Stel­la | 30. Novem­ber 2021

    Was das Informationsfreiheitsgesetz demokratiepolitisch und für Public Affairs Management bedeutet und warum die Umsetzung digitaltauglich sein muss.

    Anfang des Monats wur­de im Ver­fas­sungs­aus­schuss über die Abschaf­fung des Amts­ge­heim­nis­ses und die Ver­an­ke­rung einer Infor­ma­ti­ons­pflicht dis­ku­tiert. Den bei­den dies­be­züg­li­chen Anträ­gen der Sozi­al­de­mo­kra­ten wur­de eine sel­te­ne Ehre zuteil: eine ‚durch­aus wert­schät­zen­de Ver­ta­gung‘ (sic: Abg. Chris­ti­an Sto­cker) durch die Regie­rungs­par­tei­en. Die zustän­di­ge Ver­fas­sungs­mi­nis­te­rin beto­ne zwar das Com­mit­ment der Regie­rung für die Umset­zung des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes und ver­wies auf den Minis­te­ri­al­ent­wurf des Früh­jahrs, lies sich aber nicht zur Nen­nung eines Ter­mins für eine Regie­rungs­vor­la­ge hinreißen.

    Nun erhielt der im Febru­ar von den Koali­ti­ons­part­nern als soli­der Kom­pro­miss gefei­er­te Ent­wurf in der Begut­ach­tungs­pha­se der Begut­ach­tungs­pha­se statt­li­che 189 Stel­lung­nah­men, die es zu beach­ten gilt. Die über­lan­ge Ver­zö­ge­rung lässt sich vor allem vor einem Umstand leicht erklä­ren – den star­ken Beden­ken der Bun­des­län­der und Gemein­den. Offi­zi­ell geht es dabei um Sor­gen vor dem erwart­bar grö­ße­ren Auf­wand für die Behör­den. Die Ver­mu­tung liegt nahe, dass in Wirk­lich­keit jedoch der stei­gen­de Recht­fer­ti­gungs­druck der Behör­den gegen­über dem Sou­ve­rän mit aus­schlag­ge­bend war. Gera­de die­sem Sou­ve­rän ­– den Bürger*innen – soll die­ses Gesetz über­haupt zugu­te­kom­men. Kon­kret ist ein Haupt­ge­sichts­punkt des Ent­wurfs: ‚Staat­li­ches Han­deln soll für jeder­mann wei­test­ge­hend trans­pa­rent gemacht (wer­den)‘, indem ‚staat­li­che Trans­pa­renz zur Regel und Geheim­hal­tung zur Aus­nah­me gemacht (wird)‘.


    Digital = unbürokratisch?!

    Das Trans­pa­renz­ver­lan­gen der Bürger*innen scheint sich in den letz­ten Jah­ren deut­lich ver­stärkt zu haben, nicht zuletzt, weil durch die Digi­ta­li­sie­rung nie­der­schwel­li­ge Zugän­ge zu Infor­ma­tio­nen zum Stan­dard gewor­den sind. Außer­dem ist sicher­lich auch das Bewusst­sein für Rech­te im digi­ta­len Raum (Stich­wor­te: Urhe­ber­recht & DSGVO) gestie­gen. Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen sind für Unter­neh­men und teil­wei­se auch für Bürger*innen gestie­gen, in ande­ren Län­dern wird deut­lich offe­ner mit Infor­ma­tio­nen umge­gan­gen – nicht ver­wun­der­lich, dass auch die Österreicher*innen Ver­bes­se­run­gen ein­for­dern. Und nicht zuletzt ist auch allen klar, dass vor­han­de­ne Infor­ma­tio­nen auch unbü­ro­kra­tisch und für die Behör­de fast ohne Kos­ten und Auf­wand digi­tal bereit­ge­stellt wer­den kön­nen. Die Argu­men­te für die Zurück­hal­tung von Infor­ma­tio­nen und für die Geheim­hal­tung wer­den immer dünner.

    Langer Weg der Informationsfreiheit

    Die­se poli­ti­sche For­de­rung ist 2011 durch das Forum Infor­ma­ti­ons­frei­heit ver­stärkt in die poli­ti­sche Debat­te gekom­men. Wirk­lich heiß dis­ku­tiert wird die Initia­ti­ve seit 2013. In den Jah­ren dar­auf kam es auf­grund der lang­sam mah­len­den Müh­len der Innen­po­li­tik jedoch immer wie­der zu Ver­zö­ge­run­gen und Rück­schrit­ten. Erst bei den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen der ÖVP mit den Grü­nen im Jahr 2019 ist das The­ma erneut ganz oben auf die poli­ti­sche Agen­da gerückt: im Regie­rungs­pro­gramm. Das ist vor allem den Grü­nen zuzu­rech­nen, die neben Umwelt- und Kli­ma­schutz auch Trans­pa­renz und Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung als zen­tra­le Anlie­gen ver­tre­ten haben.

    Wozu braucht es in Öster­reich über­haupt ein Gesetz, dass mehr Poli­tik- und Ver­wal­tungs­trans­pa­renz bringt? Das Recht auf umfas­sen­de Infor­ma­ti­ons­frei­heit gegen­über dem Staat ist ein Men­schen­recht, bestä­tig­te ein Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te aus dem Jahr 2013. Wäh­rend bei den meis­ten ande­ren EU-Part­nern das Grund­recht auf Infor­ma­ti­on in den jewei­li­gen Ver­fas­sun­gen ver­an­kert ist, hat Öster­reich jedoch das Amts­ge­heim­nis im Ver­fas­sungs­rang. Somit sind ein Gut­teil der Hand­lun­gen der Ver­wal­tung für die Bürger*innen intrans­pa­rent und der Kon­trol­le der Öffent­lich­keit ent­zo­gen. Im jähr­li­chen “Right To Information”-Rating der NGOs Access Info Euro­pe (AIE) und Cent­re for Law and Demo­cra­cy (CLD) belegt Öster­reich – gemein­sam mit dem Insel­staat Palau – den unrühm­li­chen letz­ten Rang (von inzwi­schen 128 Staa­ten). Demo­kra­tie­po­li­tisch besteht also Hand­lungs­be­darf – auch um das Men­schen­recht der Infor­ma­ti­ons­frei­heit zu verankern.


    Weniger Blackboxen – gut für Public Affairs-Profis

    Auch wenn das natür­lich kein dezi­dier­tes Ziel des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes ist, die Public Affairs Bran­che wird von grö­ße­rer Infor­ma­ti­ons­frei­heit pro­fi­tie­ren. Je offe­ner und trans­pa­ren­ter Poli­tik und Ver­wal­tung ihre Ent­schei­dun­gen tref­fen, des­to bes­ser las­sen sich die dahin­ter lie­gen­den Ent­schei­dungs­pro­zes­se ana­ly­sie­ren und aus­wer­ten. Gera­de wenn Infor­ma­tio­nen digi­tal bereit­ge­stellt wer­den, wird die Arbeits­grund­la­ge im Public Affairs Manage­ment noch breiter.

    Public Affairs Manager*innen als pro­fes­sio­nel­le Interessensvertreter*innen sind es gewohnt, Infor­ma­tio­nen aus dem poli­ti­schen Umfeld zu struk­tu­rie­ren und zu bewer­ten. Ein mehr an Infor­ma­ti­on, ein nie­der­schwel­li­ger digi­ta­ler Zugang dazu und genaue­re Kennt­nis der Ent­schei­dungs­grund­la­gen wer­den daher zu einer wei­te­ren Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Bran­che füh­ren. Die Argu­men­te hin­ter Ent­schei­dun­gen sind für Public Affairs Manager*innen eben­so inter­es­sant wie die beauf­trag­ten Experten*innen und Gutachter*innen. Das Amts­ge­heim­nis hat Black­bo­xen geschaf­fen, die durch die geplan­te Novel­le auf­ge­bro­chen wer­den könnten.

    Was nun zu erwarten ist

    In einem föde­ra­lis­ti­schen Staat wie Öster­reich macht das aber nur Sinn, wenn nicht nur die Bun­des­ver­wal­tung erfasst ist, son­dern auch die wei­te­ren Gebiets­kör­per­schaf­ten. Mit den nun ange­setz­ten wei­te­ren Verhandlungen/Gesprächen zum Begut­ach­tungs­ent­wurf mit den Bun­des­län­dern und Gemein­den steht die Bun­des­re­gie­rung jeden­falls vor einer Sisy­phus­ar­beit. Die Viel­zahl an Beden­ken und Par­ti­ku­lar-Wider­stän­den dort machen einen gro­ßen Wurf unwahr­schein­lich. Auf die poli­ti­sche Lage – geprägt von Insta­bi­li­tät, Kor­rup­ti­ons­skan­da­len und Ver­trau­ens­ver­lust – bli­ckend hat der Öster­reich Trans­pa­renz und Offen­heit so drin­gend nötig wie noch nie.


    Nico Stel­la ist Seni­or Con­sul­tant bei Mas­ter­mind Public Affairs Con­sul­ting und Mit­glied des Arbeits­krei­ses Digi­tal Public Affairs in der ÖPAV.

    © 2026 Österreichische Public Affairs Vereinigung